FDP.Die Liberalen
Wald
Ortspartei Wald
21.05.2017

Regionaler Naturpark als Thema der FDP Generalversammlung

Mit zwei hochkarätigen Referenten tauchten die FDP Mitglieder in die Thematik des Regionalen Naturparkts (RNP) ein. Zum einen erläuterte Michael Dubach, Regionalmanager Pro Zürcher Berggebiet, den aktuellen Stand und die nächsten Schritte in Bezug auf die Umsetzung des RNP in unserer Region und Hansrudolf Meier, Präsident Regionaler Naturpark Schaffhausen, lieferte einen Bericht über die ersten Erfahrungen des RNP Schaffhausen.

Informationen zum Stand und Planung des Regionalen Naturparks im Zürcher Bergebiet

Michael Dubach stellt illustrativ das breite Wirkungsfeld des Regionalmanagements Züri Oberland mit der Marke „natürli“ vor. Ein regionaler Naturpark umfasst ein grösseres, besiedeltes Gebiet, das sich durch hohe Natur- und Landschaftswerte auszeichnet (Mensch und Umwelt, Natur und Kultur), setzt sich für den Erhalt und die Aufwertung vorhandener Natur-/Kulturwerte ein und strebt eine gesamtheitliche, nachhaltige Entwicklung ein und ist basisdemokratisch organisiert.

Der Nutzen eines RNP, so Dubach, liege im Förderinstrument für den ländlichen Raum, baue auf vorhandenen Potenzialen der Wirtschaft, Natur, Kultur und Bevölkerung auf und biete Möglichkeiten für Projekte in den Bereichen Gewerbe, Tourismus, Landwirtschaft, Forst und Bildung. Zudem leiste ein RNP einen Beitrag zur Arbeitsplatzerhaltung und sorge für die Stärkung einer nachhaltigen Wirtschaft sowie für die Erhaltung und Aufwertung der Natur und Landschaft. Gesetzliche Grundlage ist das Natur-und Heimatschutzgesetz, die keine allgemeinverbindlichen Auflagen zur Folge haben. Alle bestehenden RNP beschliessen Aufwertungsmassnahmen selbstständig und freiwillig im Einvernehmen mit der Landwirtschaft. In der Schweiz gibt es bereits 17 RNP.

Das Zürcher Berggebiet bietet aus Sicht von Michael Dubach grosses Potenzial mit ihren hohen Natur- und Kulturwerten. Die bisherigen Aktivitäten und Erfolge des Pro Zürcher Berggebietes (PZB) könnten mit einem RNP noch besser genutzt werden. Die Netzwerke und Strukturen seien vorhanden, die Positionierung des PZB als attraktive und starke Region sei gegeben und der Aufbau eines Netzwerkes sei bereits erfolgt. Ein sehr wichtiger Punkt sei, dass man als RNP ein Gesicht erhält und in der ganzen Schweiz und auch international wahrgenommen werde. Die Vermarktung erfolge beispielsweise über Schweiz Tourismus, SBB, Postauto, Coop, usw.

Bei PZB wurde an der GV am 20. April 2017 ein Ja zur Weiterarbeit beschlossen. Die nächsten Schritte sind die Durchführung der Landschaftsbewertung im Feld (Sommer 2017), Arbeiten in thematischen Arbeitsgruppen und die Integration laufender Projekte (Herbst 2017), 1. Entwurf des Managementplans (Frühsommer 2018), Vernehmlassung Kantone und Gemeinden (Sommer 2018) und schliesslich die Abstimmung in den Gemeinden (Winter 2018).

Die Kosten des RNP werden mit rund 50 Rappen pro Einwohner veranschlagt. Diese seien im Vergleich zu anderen RNP tiefer, weil bisherige und bestehende Mittel aus dem Regionalmanagement verlagert werden. Insgesamt sind die Kosten pro Einwohner somit durchaus höher. Im RNP Schaffhausen betragen die Kosten zwischen 4 und 5 Franken pro Einwohner.

 

Erfahrungen vom Regionalen Naturpark Schaffhausen

Hansrudolf Meier berichtet über die Erfahrungen aus Schaffhausen. Mit einem Budget von rund 1 Mio. CHF (Bund (CHF 550‘000), Kanton (CHF 300‘000), Gemeinden (CHF 100‘000) und Gönner) betreut der RNP Schaffhausen momentan 55 Projekte. 15 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 209 km2, haben sich dem RNP angeschlossen, was einer Fläche von 44 % des Kantons Schaffhausen entspricht. Aus Sicht von Meier ist ein RNP eine Gratwanderung zwischen Naturschutz und Regionalwirtschaft. Ein RNP werde im kantonalen Richtplan verankert, habe aber keine Änderung der Zonenordnungen zur Folge.

Meier stellt verschiedene Projektbeispiele vor. Im Zentrum stehen die „Schaffhauser Regioprodukte“ in der Direktvermarktung. Davon können Produzenten aus Gemeinden profitieren. Zudem erfolgen Auftritte an Messen und Ausstellungen, eine gemeinsame Produktevermarktung und es besteht die Möglichkeit, bei Coop gelistet zu werden. Der Nutzen liege in der Steigerung der Wertschöpfung für die Betriebe. Ein weiteres Beispiel ist die Herstellung von Naturpark-Möbel aus regionalen Schreinereien. Das Projekt „Schaffhauser Haus“ hat zum Ziel, bei der Bauwirtschaft kurze Warenströme zu erreichen und die regionalen Wertschöpfungsketten zu verlängern und damit Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu sichern. In der Bildung werden Naturparkführer ausgebildet sowie Bildungsplattformen und Naturpark­schulen organisiert. Es wurden auch ein Naturführer und eine Erlebniskarte erstellt, die der Förderung von natur- und kulturnahem Tourismus dienen. Weitere Beispiele von Projekten sind die Abgabe von Hochstamm-Obstbäumen an Landwirte oder die Wald- und Waldrandaufwertungen, die Arbeitsaufträge an Forstbetriebe und Landwirte geben. Dies zeigt die Vielfalt der Projektmöglichkeiten in einem RNP auf.

Meier schloss seine Ausführungen mit der Aussage, dass der RNP ein „Türöffner“ sei, weil er als Plattform für innovative Akteure diene, keine neuen Gesetze und Einschränkungen zur Folge habe und die Strukturentwicklung für ländliche Gebiete fördere, indem unter anderem auch zusätzliche finanzielle Mittel für eine Region gewonnen werden können.

 

Diskussion

In der Diskussion werden diverse Fragen und Anliegen der Anwesenden aufgenommen und seitens der Referenten mit grosser Leidenschaft für die Idee RNP beantwortet. Es folgten auch kritische Wortmeldungen, welche die Gefahr von übertriebenem Naturschutz in den Raum stellten. Insgesamt wurden die Informationen der Referenten dankend aufgenommen und der Wissensstand der Anwesenden damit erhöht werden konnte. In den nächsten Monaten wird eine öffentliche Diskussion zeigen müssen, ob die Idee eines RNP in den Anschlussgemeinden mehrheitsfähig ist. Die FDP Wald wird hierzu zu gegebenem Zeitpunkt Stellung beziehen.

Im Anschluss an die Diskussion wurden die statutarischen Geschäfte abgehandelt. Der aktuelle Vorstand wurde ohne Gegenstimme bestätigt.